Jun 30, 2020
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Kapitalismus – Ohne jede Bodenhaftung: »Kapital, Gewählte und Hofnarren.«

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(as of Jun 30,2020 18:57:54 UTC – Details)


Zwischen den Nationalstaaten Europas und der internationalen Hochfinanz unserer Tage bestehen seit Langem vielfaltige Verwicklungen. Nach Einfuhrung des Euro gaben die Geldhauser Europas und Amerikas den Mitgliedslandern der Europaischen Wahrungsunion Kredit, was das Zeug hielt, und allen zu praktisch gleich niedrigen Zinsen. Nach 2008 liessen sie sich dann von denselben Staaten, die zugleich ihre Volkswirtschaften vor ihnen zu retten hatten, vor sich selber retten. Dadurch stieg die offentliche Verschuldung auf ein Niveau, das die gerade geretteten Finanzinstitute um die Zahlungsfahigkeit ihrer staatlichen Retter-Schuldner furchten liess. Die kapitalistische Moral, eine jammerliche Kopie der christlichen Moral, belegt das Fleisch des Arbeiters mit einem Bannfluch: Ihr Ideal besteht darin, die Bedurfnisse des Produzenten auf das geringste Minimum zu reduzieren, seine Genusse und Leidenschaften zu ersticken und ihn zur Rolle einer Maschine zu verurteilen, aus der man ohne Rast und ohne Dank Arbeit nach Belieben herausschindet.” Die Lobredner der Arbeit. – Bei der Verherrlichung der “Arbeit,” bei dem unermudlichen Reden vom “Segen der Arbeit” sehe ich den selben Hintergedanken, wie bei dem Lobe der gemeinnutzigen unpersonlichen Handlungen: den der Furcht vor allem Individuellen. Im Grunde fuhlt man jetzt, beim Anblick der Arbeit – man meint immer dabei jene harte Arbeitsamkeit von fruh bis spat -, dass eine solche Arbeit die beste Polizei ist, dass sie jeden im Zaume halt und die Entwickelung der Vernunft, der Begehrlichkeit, des Unabhangigkeitsgelustes kraftig zu hindern versteht. Denn sie verbraucht ausserordentlich viel Nervenkraft und entzieht dieselbe dem Nachdenken, Grubeln, Traumen, Sorgen, Lieben, Hassen, sie stellt ein kleines Ziel immer in’s Auge und gewahrt leichte und regelmassige Befriedigungen. So wird eine Gesellschaft, in welcher fortwahrend hart gearbeitet wird, mehr Sicherheit haben: und die Sicherheit betet man jetzt als die oberste Gottheit an. -“

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